“Der Verlust eines Jobs war zwar nicht mit der Verbannung aus dem eigenen Elternhaus zu vergleichen, aber in beiden Fällen war ich feige gewesen. […] Aber ich wollte nicht so sein. Ich wollte stark sein. Rückgrat zeigen. Und das Richtige tun.”

 

Klappentext

 

Als Micah auf ihren neuen Nachbarn trifft, kann sie es nicht glauben: Es ist ausgerechnet Julian, der wenige Wochen zuvor ihretwegen seinen Job verloren hat. Micah fühlt sich schrecklich deswegen, vor allem, weil Julian kühl und abweisend zu ihr ist und ihr nicht mal die Gelegenheit gibt, sich zu entschuldigen. Doch seine undurchdringliche Art fasziniert Micah, und sie will ihn unbedingt näher kennenlernen. Dabei findet sie heraus, dass Julian nicht nur sie, sondern alle Menschen auf Abstand hält, denn er hat ein Geheimnis – ein Geheimnis, das die Art, wie sie ihn sieht, für immer verändern könnte …

 

Erster Satz

 

Wie lange muss ich das wohl noch ertragen?

 

Meinung

 

Someone New war das nächste Buch, das wir als Buddy-Read gelesen haben. Über was wir uns genau dort ausgetauscht haben, könnt ihr in unserem gesonderten Beitrag nachlesen. Wir hatten auf jeden Fall wieder viel Spaß beim Lesen, aber auch ein paar Dinge zu besprechen.

Micah wächst im guten Hause auf und studiert zum Wohle der Familie und des Familienbetriebs Jura, obwohl sie das eigentlich nicht möchte. Bei einem sehr pompösen Dinner lernt sie Julian kennen, der für das Catering zuständig ist, doch die Situation eskaliert und er wird entlassen, obwohl er keine Schuld trägt. Micah hat ein schlechtes Gewissen, doch sie kann nichts ausrichten. Als sie einige Zeit später ihr Studium beginnt und in ein Apartment zieht, ist Julian ihr neuer Nachbar, sodass sie versucht, die Wogen zu glätten, doch Julian ist alles andere als freundlich. Er ist nicht nur kühl ihr gegenüber, sondern auch zu allen anderen, die in seinem Umfeld leben. Doch Micah bleibt hartnäckig und nach und nach lernen sich die beiden kennen, bis Micah eines Tages den wahren Grund für seine Zurückhaltung erfährt.

Recht schnell konnten wir uns mit Micah anfreunden. Sie hat ihren eigenen Kopf, steht zu ihren Freunden, nimmt Dinge gerne selbst in die Hand, ist witzig und hilfsbereit. Obwohl die Eltern ihr Leben finanzieren, lässt sie das nicht heraushängen und es ist ihr egal, ob sie das mögen oder nicht, aber sie liest Comics, Graphic Novels und zeichnet gern in ihrer Freizeit. Wir lesen die Geschichte aus ihrer Perspektive, dadurch sind wir ihren Gedanken sehr nahe und konnten ihre Entscheidungen nachvollziehen, wenn wir auch öfters anders entschieden hätten.

Nicht nur Micah hat uns gefallen, sondern auch alle übrigen Figuren. Julian ist ein sehr zurückhaltender und in sich gekehrter Mensch, kein typischer Bad Boy. Er ist schwer zu durchschauen, ist aber auch für den ein oder anderen Witz zu haben. Er studiert Architektur und arbeitet in seiner Freizeit, um sich das Studium und das Leben mit Katze zu finanzieren.

Auri und Cassie sind Julians Mitbewohner, Lilly und Aliza sind die Freundinnen von Micah, Adrian ist Micahs Bruder… sie alle gehören dazu und jeder hat sein Päckchen zu tragen. Gerade die Freundschaften und deren Zusammenhalt waren wunderbar beschrieben, typische Kaffeekränzchen und Gespräche haben uns an uns selbst erinnert und uns zum Schmunzeln gebracht.

Diese verschiedenen Figuren, deren Leben und Hintergründe, die Konstellationen untereinander, die Probleme, die jeder mit sich bringt, bieten jede Menge Potential. Viele Konflikte wurden thematisiert, doch – und das ist unser großer Kritikpunkt – wurde das nicht genutzt. Im Gegenteil, es ist nichts passiert. Und das finden wir unglaublich schade, wir waren sogar etwas enttäuscht. Die Geschichte plätschert förmlich dahin, es war interessant, aber nicht wirklich spannend. Es fehlten große Emotionen, Herzklopfen, Tränen… es gab so viele Szenen und Konfliktsituationen, die nicht genutzt oder innerhalb eines Kapitels abgehakt wurden. Wir wissen, dass Laura Kneidl das kann. Wir haben schon Bücher von ihr gelesen, die das geschafft haben.

Versteht uns nicht falsch, es gab viele Kapitel, die schön waren, die stark gewesen sind oder uns berührt haben, aber die konnten das fehlende Potential und die Konflikte nicht ausgleichen. Aus unserer Sicht wurden zu viele kritische Themen in dem Roman angesprochen, wodurch der Hauptkonflikt gelitten hat und das ist einfach schade. Auch die Auflösung des “großen” Geheimnisses war in unseren Augen zu spät. Für diejenigen, die Someone New noch nicht gelesen haben, wäre es ein Spoiler, aber eigentlich sollte es keiner sein, weil es nichts Schlimmes ist. Das Buch müsste man jetzt noch einmal lesen, um Julian von Anfang an zu verstehen. Das Gefühl, dass seine Geschichte nicht vollends erzählt ist, bleibt einfach erhalten.

Deshalb hoffen wir, dass die Fortsetzung besser wird und die Geschichte es dann schafft, in unser Herz zu wandern, denn die Figuren haben wir lieb gewonnen und das Setting hat uns gefallen.

Wir lieben den Schreibstil von Laura Kneidl. Die Beschreibungen sind toll, es liest sich sehr flüssig und es bauen sich unglaublich schöne Bilder im Kopf auf. Auch das Cover und die Aufmachung der Sonderedition mit den gezeichneten Bildern sind ein wundervoller Hingucker im Bücherregal.

Someone New ist gut, aber es geht besser und das wünschen wir uns für die Fortsetzung.

 

Fazit

 

Ein gutes Buch, das sehr viele kritische Themen aufgreift. Trotz der sehr gut ausgearbeiteten Figuren, des tollen Settings und ein paar schönen Momenten im Buch, wurde das Potential nicht vollkommen ausgeschöpft, wodurch die Spannung etwas gelitten hat.

 

Fakten

 

Verlag: >> LYX/Bastei Lübbe <<

Autorin: >> Laura Kneidl <<

>> Laura Kneidl bei Instagram <<

Als Hardcover-Sonderedition (nur noch gebraucht), Taschenbuch (12,90 EUR), Ebook (9,99 EUR) und Hörbuch (9,95 – 12,99 EUR) erhältlich.

 

Eure Stef und Simi

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